Bericht 18 Fahrradfreundliches Karlsruh

Fahrradfreundliches Karlsruhe

Liebe Bürgerinnen und Bürger in Karlsruhe,

Karlsruhe ist für das Radfahren bestens geeignet: Große Teile des Stadtgebiets sind eben, die Witterung ist milde, und die Stadt ist mit etwa 1600 Sonnenscheinstunden im Jahr begünstigt. Mit Fahrradkorb oder Packtaschen am Gepäckträger geht es in die Schule, ins Schwimmbad, zum Einkaufen oder „in die Stadt“, Auch Kinder und Senioren wissen dies umweltfreundliche Fahrzeug zu schätzen.

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Huber und Kind vor dem Karlsruher Schloss DVD klein.jpg

Das Karlsruher Radwegenetz halten nach der Bürgerumfrage 2002 der Stadt Karlsruhe 60 % für wichtig. Das Karlsruher Radwegenetz halten zwei Drittel der Befragten für gut (53,7 %) oder sehr gut (13,7 %), 22,1 % betrachten die Radwege als befriedigend. Auf „ausreichend“ entfallen 5,7 %, mangelhafte Verhältnisse sehen 2,4 % der Karlsruher. 1987 erhielt Karlsruhe eine Plakette als Auszeichnung für eine fahrradfreundliche Stadt.

Die Tour de France, Bewerbung für den Giro d’Italia und die Deutschland-Tour, außerdem der Erfinder des Fahrrads Freiherr von Drais, all dies zeigt: Die Fächerstadt ist eine Fahrradstadt.

Doch von ihren radelnden Bewohnern kommt auch immer wieder Kritik, vor allem aber die Forderung: Es müssen mehr Radwege her. Der ADAC testete dieses Jahr verschiedene deutsche Großstädte, dabei schnitt unsere Stadt nur mittelmäßig ab. Als Fahrradhochburg Deutschlands kommt Münster dem Idealbild einer fahrradfreundlichen Stadt schon recht nahe. Auf den nächsten Plätzen finden sich mit der Gesamtnote gut Kiel, Krefeld, Hannover, Freiburg und Bremen. Dabei gelten Hannover, Freiburg und Bremen schon traditionell als fahrradfreundliche Städte und dürften sich nun bestätigt sehen. Zwölf Städte liegen mit einem „Durchschnittlich“ im Mittelfeld des Vergleichs: Mainz, Nürnberg, Leipzig, Aachen, Dortmund, Lübeck, Rostock, Stuttgart, Augsburg, Frankfurt/ Main, Halle und auch Karlsruhe. Diese Note lässt bereits Handlungsbedarf erkennen. Lücken im Radverkehrsnetz, unzureichende Radverkehrsanlagen, zu wenige und ungeeignete Abstellplätze, eine fehlende Wegweisung erschweren nicht nur die Nutzung des Fahrrads, sie wirken sich auch auf die Verkehrssicherheit aus. Auch Öffentlichkeitsarbeit und Dienstleistungsangebote (z. B. Fahrradverleih) stecken noch in den Kinderschuhen. Für den Bau einer Fahrradstation am Karlsruher Hauptbahnhof sind im Stadthaushalt Mittel eingestellt, aber deren Bau ist noch nicht realisiert.

Fahrradständer am Bahnhof DVD klein.jpg

Seit einiger Zeit arbeitet die Stadt an dem Konzept „Fahrradfreundliches Karlsruhe“. Fahrradfahren soll in Karlsruhe künftig noch mehr Freude bereiten, und vor allem soll es sicherer, bequemer und einfacher werden. Deswegen möchte die Stadt zum Beispiel die City-Radroute Süd im Bereich Ludwigsplatz auf die Amalienstraße verlegen. Zusätzlich wird nördlich der Innenstadt der Zirkel zur Fahrradstraße.

Bislang legen die Karlsruher 16 % aller Wege mit dem Fahrrad zurück. Bis 2015 soll dieser Anteil auf 23 % steigen. Erreichen will die Stadt dieses ehrgeizige Ziel mit Plänen, die weit über den Ausbau der Cityrouten Nord und Süd hinausgehen. Nach diesen Plänen sollen jährlich zwei neue Radrouten entstehen, damit die durchgängige Erreichbarkeit aller wichtigen Ziele mit dem Radverkehr in Karlsruhe garantiert wird. All dies ist Teil eines 20-Punkte-Programms, das die Stadt in einem Workshop mit Verbänden wie dem ADFC und VFC erarbeitet hat und demnächst dem Gemeinderat vorgelegt werden soll. Die Umsetzung der darin vorgesehenen 20 Maßnahmen zur Stärkung des Radverkehrs kostet jährlich etwa 600.000 €, der Löwenanteil davon für den Bau von jährlich zwei neuen Routen.

Die Verkehrssicherheit für den Radverkehr soll deutlich erhöht werden. Insbesondere soll trotz der steigenden Zahl von Radfahrern die Zahl der Radfahrerunfälle um mindestens 15 %, die Zahl schwer verunglückter Radfahrer bis 2010 um mindestens 25 % verringert werden.

Radfernweg DVD klein.jpg

Die Mittel für Verkehrssicherheit/Sofortmaßnahmen in Höhe von 100.000 € können, wenn man sie schnell einsetzen möchte, allenfalls im Rahmen eventueller Nachtragsberatungen in den Haushalt 2006 eingestellt werden. Das Ziel Nr. 1 im 20-Punkte-Programm zur Förderung des Radverkehrs in Karlsruhe mit dem Text „Karlsruhe will sich als die Fahrrad-Großstadt Nr. 1 in Süddeutschland positionieren.“ ist anspruchsvoll.

Im 20-Punkte-Programm des Handlungskonzepts „Fahrradfreundliches Karlsruhe“ geht es aber nicht nur um Angelegenheiten, die Geld kosten. So geht es in einem der Punkte um das Miteinander der verschiedenen Verkehrsteilnehmer: Niemand hat das Recht, eigene Verkehrsverstöße mit dem Fehlverhalten anderer zu entschuldigen. Appelliert wird an Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme, denn auch hier gibt es noch einigen Entwicklungsbedarf. Im Verkehr regiert zu häufig das Recht des Stärkeren, fühlen sich Radfahrer von Autofahrern bedrängt und werden Radfahrer oft zu Rüpeln gegenüber Fußgängern, bisweilen aber auch gegenüber Autofahrern. Autofahrer, die häufig selbst Rad fahren, wissen, wie unangenehm Autos sein können, deren Fahrer nicht die notwendige Rücksicht nehmen. Ich bin optimistisch: Je attraktiver und selbstverständlicher das Radfahren in Karlsruhe ist, desto freundlicher gestaltet sich das Miteinander aller Verkehrsteilnehmer.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr

Prof. Dr. Wolfgang Fritz
AKB-Vorsitzender

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