|
Doch der Teufel steckt im Detail: In der Südstadt-Ost war z. B. eine Modellschule nach skandinavischem Vorbild geplant als Leuchtturmprojekt, das die jungen Familien aus nah und fern in das Neubaugebiet zieht. Nach der Behandlung im Gemeinderat und anschließendem verwaltungsinternen Beratungen ist von der exzellenten Idee nicht mehr viel übrig geblieben. „Sollte sich dieses Projekt unter dem neuen Vorzeichen doch noch einmal beleben lassen?“, hofft Herr Ralph Zielosko, Vorsitzender der Bürger-Gesellschaft Südstadt. Aber Antwort auf inhaltliche Detailfragen standen an diesem Abend noch nicht auf der Tagesordnung. Schließlich, so wurde einhellig betont, liegt die endgültige Entscheidung über Einzelprojekte beim Gemeinderat.
Leitprojekte und Prozessablauf
Verabschiedet wurde eine Liste mit 46 so genannten Leitprojekten. Wo und wie genau diese Projekte dann umgesetzt werden, ist im jetzigen frühen Planungsstadium noch nicht konkretisiert. Die Liste, so Fenrich, sei noch nicht abschliessend, denn der Masterplan sei als dynamischer Prozess ausgestaltet.
Bevor der Plan und das weitere Vorgehen von den anwesenden Bürgervereinsvertretern diskutiert wurde, stellte die Projektleiterin Doris Giebler den Prozessablauf im Detail vor. Einhelliges Lob erntete das Prinzip, die Meinung und die Ideen der Bürger zur Grundlage des Masterplans zu machen. So waren 400 Einwohner unserer Stadt, nach dem Zufallsprinzip vom Computer ausgewählt, der Einladung zur Teilnahme an der Zukunftskonferenz gefolgt.
Beteiligung der Bürgervereine in der Umsetzungsphase
Kritik wurde aber laut an der zu späten Einbindung der Bürgervereine in den Prozess, der erst mit diesem Abend begonnen habe. Spätestens in der Vorbereitung der zweiten Phase, der Umsetzung von Einzelprojekten, soll sich dies aber ändern, so OB Fenrich, der auch anerkannte, dass die Bürgervereine die geborenen Fachleute für die Gegebenheiten vor Ort seien.
Entscheidungen nachvollziehbar präsentieren
Ein anderer Kritikpunkt betraf die mangelnde Transparenz der Entscheidungsfindung im Gemeinderat. Sowohl OB Fenrich als auch Stadtrat Michael Obert sprachen sich für höchstmögliche Transparenz aus. Eine Zusage der generellen Öffentlichkeit der Sitzungen der mit dem Masterplan befassten Gremien und Ausschüsse war damit aber nicht verbunden - leider. Könnte man die gebotene Transparenz nicht durch eine ausführliche Dokumentation herstellen, etwa in Form von Sitzungsprotokollen im Internet? Im Rahmen der Überarbeitung des Internet-Auftritts der Stadt soll, so OB Fenrich, geprüft werden, wie die Entscheidungen zum Masterplan für jeden Interessierten nachvollziehbar werden. Eines war nämlich allen Teilnehmern klar: Dem zunehmenden Desinteresse der Bevölkerung an kommunalpolitischen Themen muss im Interesse einer lebendigen Demokratie mit allen geeigneten Mitteln entgegen gewirkt werden. OB Fenrich verschwieg in diesem Zusammenhang auch nicht, dass ihm bei aller Freude über seine Wiederwahl die beschämend niedrige Wahlbeteiligung schwer im Magen liegt. Die Bürger für die Entwicklung ihrer Stadt persönlich zu begeistern, auch das ist ein Ziel des Masterplans.
Allerdings muss auch tatsächlich „was rüberkommen“ und als sichtbares und spürbares Ergebnis hängen bleiben. Nichts wäre schlimmer, als die Ideen engagierter Bürger am Ende eines langen Prozesses versanden zu lassen. Doch ist sich auch die Verwaltung, so OB Fenrich abschließend, zu schade dafür, Konzepte für den Papierkorb zu entwickeln. Die Bürgervereine, die schon lange die Einbindung von Bürgern in die Stadtentwicklung und Stadterneuerung in anderen deutschen Städten und in (in dieser Hinsicht vorbildlichen) Basel beobachten, bieten ihren Einsatz auch beim Prozess Masterplan 2015 an und sind dabei sicher: An mangelnder Mitarbeit unserer Bürgervereine jedenfalls sollen gute Projekte nicht scheitern.
Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr 2007 wünscht Ihnen Ihr Prof. Dr. Wolfgang Fritz AKB-Vorsitzender
|