Bericht 32 Lärmkartierung

Lärmkartierung und Aktionsplanung für Lärmminderung

Liebe Bürgerinnen und Bürger in Karlsruhe,

erstmals erhalten wir ein objektives Bild über die Lärmbelastung. Umweltministerin Tanja Gönner und die Präsidentin der LUBW - Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Margareta Barth, stellten im September 2007 die landesweit ersten Lärmkarten für Baden-Württemberg vor. Die Lärmkarten für die Ballungsräume Karlsruhe sowie Stuttgart und Mannheim (Städte mit mehr als 250.000 Einwohnern) werden von den Städten in eigener Zuständigkeit erstellt.

Das Ergebnis der Kartierung in Karlsruhe wurde inzwischen dem Planungsausschuss/Ausschuss für Umwelt und Gesundheit vorgestellt. Im November wurden die strategischen Lärmkarten der Öffentlichkeit durch Offenlage und Einstellung im Internet zugänglich gemacht.

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„Vor allem in dicht besiedelten Räumen gehört eine hohe Lärmbelastung zum Alltag der dort lebenden Menschen. Dauerhaft erhöhte Geräuschpegel sind ein ernst zu nehmendes Umweltproblem“, erklärte Umweltministerin Tanja Gönner. So fühle sich nach eigenem Empfinden mehr als jeder Dritte Einwohner des Landes durch Lärm belästigt. Mit den Lärmkarten erhalten wir erstmals ein objektives Bild über die tatsächliche Belastungssituation.“ Dauerhaft hohe Lärmpegel könnten sich negativ sowohl auf die psychische wie auch die körperliche Gesundheit auswirken. Die Gesundheitsstörungen reichten von Leistungsbeeinträchtigungen über Lern- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Herz-Kreislauferkrankungen.

Jeder dritte Baden-Württemberger sieht die Ursache für die hohen Geräuschpegel im Straßenverkehr, rund 20 Prozent fühlen sich durch Flugverkehr und gut zehn Prozent durch Schienenverkehr belästigt.

Karlsruhe muss die Lärmkarten zunächst sorgfältig analysieren, insbesondere in Gebieten mit hohen Belastungswerten. Orientierung hierfür solle eine Überschreitung des Lärmindexes für den ganzen Tag (LDEN) von über 70 Dezibel - dB(A), beziehungsweise für die Nacht (LNight) von über 60 dB(A) geben.

Auslösewerte 70 Dezibel tags bzw. 60 Dezibel nachts

Allerdings fehlen für die Umsetzung bisher noch konkrete Grenzwerte oder Richtlinien. Denn im Gegensatz zur Luftreinhalte-Richtlinie, die strenge Grenzwerte enthält, spricht die Umgebungslärmrichtlinie von „Auslösewerten“, die von den EU-Mitgliedsstaaten selbst zu definieren sind. Auf nationaler Ebene konnte bisher noch keine Einigung über Auslösewerte erzielt werden. Den Kommunen in Baden-Württemberg liegt zurzeit lediglich eine „Empfehlung“ des Umweltministeriums vor. Danach werden Maßnahmen nahegelegt, wenn Lärmpegel von 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel in der Nacht überschritten werden. Zwar hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung als Grenzwert für Mittelungspegel 65 Dezibel am Tag und 55 Dezibel bei Nacht empfohlen. Die WHO empfiehlt langfristig noch niedrigere Werte. Aber Bayern und Baden-Württemberg setzen sich im Bundesrat für die 70/60-Werte ein.

Kosten

Für die Kartierung hatte die Stadt einen Aufwand von 140.000 € aufgebracht. In einem zweiten Schritt, der Aktionsplanung, werden die Lärmkarten der Öffentlichkeit in verständlicher Darstellung und leicht zugänglichen Formaten und durch elektronische Kommunikationsmittel zugänglich gemacht. In dieser Phase, die bis zum Sommer 2008 dauert, sollen Vorschläge zur Lösung von Lärmproblemen und zur Minderung von Lärmauswirkungen unter Beteiligung der Öffentlichkeit erarbeitet werden. Hierfür sind Kosten von 170.000 € angesetzt, von denen allerdings das Land zunächst 150.000 € Förderung übernimmt. Im dritten Schritt werden in den nächsten Jahren Lärmminderungsmaßnahmen vom Gemeinderat zu beschließen sein. Die Kosten können heute nicht abgeschätzt werden, aber wirksame Maßnahmen sind in der Regel teuer. So wurden vor 2 bis 3 Jahren für die Lärmschutzwand in Knielingen 1,3 Millionen €, die Lärmschutzanlagen am Bulacher Kreuz sogar 2,8 Millionen € Kosten angesetzt.

Einheitliche Berechnungen

Die Lärmkarten werden durch Simulation errechnet und aufgrund von fest vorgeschriebenen Berechnungsverfahren erstellt. Statt der Berechnungen Messungen in der gesamten Stadt und zu allen Tag- und Nachtzeiten durchzuführen wäre wegen des Riesenaufwands nicht möglich. Die Berechnungsmethodik ist aber gut erprobt und scheint zuverlässig zu sein. Den Berechnungen liegen zu Grunde ein digitales Geländemodell, Gebäudedaten und Einwohnerdaten zum einen und das Straßennetz, die Verkehrsstärken, die Lärmschutzwände und –wälle und die bestehenden Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Zur Beschreibung der Schallbelastung wurden die Kenngrößen LDEN (Tag-Abend-Nacht-Lärmindex) und LNight (Nacht-Lärmindex) definiert. Bei LDEN handelt es sich um einen Dauerschallpegel, der einen Indikator für die Belästigung darstellt. Dabei werden die Tagstunden (6 bis 18 Uhr) ohne Aufschlag, die Abendstunden (18 bis 22 Uhr) mit einem Aufschlag von 5 dB(A) und die Nachtstunden (22 bis 6 Uhr) mit einem Aufschlag von 10 dB(A) berücksichtigt.

Die Ausarbeitung der Lärmkarten war dabei getrennt für jede Lärmart (Straßenlärm, Schienenlärm, Fluglärm, Industrie- und Gewerbelärm einschließlich Hafenlärm) auf der Grundlage der Lärmindizes LDEN und LNight zu erfolgen.

Haupteisenbahnstrecken – auch innerhalb der Ballungsräume – werden nicht von der Stadt, sondern vom Eisenbahnbundesamt (EBA) kartiert. Die Bulacher und Beiertheimer und andere Bahnlärm-Betroffene müssen hier auf die Ergebnisse bis Anfang 2008 warten.

 

Lärmart Straßenverkehr,  Zeitbereich nachts

Für die Lärmart Straßenverkehr und den Zeitbereich nachts ist eine Lärmkartierungskarte dargestellt, die im Auftrag des Stadtplanungsamts der Stadt Karlsruhe erstellt wurde. .

Erwartungsgemäß gehen die höchsten Schallbelastungen von den Bundesautobahnen aus und verlärmen einen breiten Streifen parallel zu den Pisten. An den Autobahntrassen gibt es in der Regel keine direkte Bebauung, die eine Abschirmwirkung für den Bereich dahinter hätte. 

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Lärmkarte Karlsruhe (Lärmart Straßenverkehr Zeitbereich nachts)

Außer der Autobahn fällt vor allem die Südtangente mit ihrer Lärmemission durch den Straßenverkehr auf. In dem Auszug aus dem Kernbereich wird die effektive Lärmabschirmung durch den Edeltrud-Tunnel deutlich, die vor allem Wohngebiete in Beiertheim schützt.

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Lärmkarte Auszug aus dem Kernbereich (Lärmart Straßenverkehr Zeitbereich nachts)

Der Auszug aus dem City-Bereich zeigt eine lärmfreie Kaiserstraße vom Europa- bis zum Kronenplatz, einer Fußgängerzone ohne Autoverkehr. Bei der ausgewählten Karte und den Vergrößerungen ist eben nur die Geräuschquelle Straßenverkehr für die Berechnungen erfasst worden. Es gibt andere Kartierungen im Internet für die Geräuschquelle Straßenbahnverkehr und nächstes Jahr auch für die Geräuschquelle Eisenbahn.

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Lärmkarte Auszug aus dem City-Bereich (Lärmart Straßenverkehr Zeitbereich nachts)

Lärmaktionsplanung

Nächstes Jahr geht es dann los mit der Aufstellung von Aktionsplänen mit dem Ziel, das Ausmaß der Geräuschbelastung so weit erforderlich zu verhindern und zu mindern und die Umweltqualität in den zufrieden stellenden Fällen zu erhalten. Dies geschieht unter Beteiligung der Karlsruher Öffentlichkeit, und auf örtlichen Veranstaltungen werden sich Bürgerinnen und Bürger aus den Stadtteilen hierzu äußern, insbesondere aus stark lärmgeplagten Wohngebieten. Dort will man „Taten statt Messungen“ sehen. Es werden Lärmminderungsmaßnahmen erarbeitet und von der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat über deren Finanzierung nachgedacht. Richtig teuer könnte es werden, wenn die Stadt zu Maßnahmen zur Lärmminderung an Belastungsschwerpunkten wie Hauptverkehrsstraßen, womöglich sogar unter Zuhilfenahme der Gerichte, gezwungen würde.

Die Maßnahmen selbst sollten nach Meinung von Fachleuten möglichst an der Lärmquelle ansetzen und erst danach auf dem Ausbreitungsweg, z.B. über Lärmschutzwände, und an letzter Stelle am Immissionsort wie beispielsweise Schallschutzmaßnahmen am Haus. Oder bleibt es doch bei der Begrenzung auf die klassischen Maßnahmen wie Geschwindigkeitsreduzierung, Verkehrsverlagerung oder bauliche Lärmschutzeinrichtungen. In vielen Bereichen mit erhöhten Lärmpegeln sind wohl nur passive Schallschutzmaßnahmen – insbesondere der Einbau von Schallschutzfenstern – anwendbar, wenn eine schnelle Verbesserung nötig ist.  Das nächste Jahr wird spannend werden.

Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr 2008 wünscht Ihnen

 

Ihr Prof. Dr. Wolfgang Fritz

AKB-Vorsitzender

 

 

Beiertheim als Beispiel für Detaillierungen

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