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Was den „Spät-Nachtschwärmern“ Vorteile bringt, brachte durch die gleichzeitige Ausdünnung des Fahrplans in der Zeit zwischen Mitternacht und halb zwei den „Früh-Nachtschwärmern“ deutliche Einschränkungen in der Mobilität. Konnte man bislang im normalen abendlichen 20- oder 30-Minuten-Takt bis etwa 1.30 Uhr nach Hause kommen, endet dieser Takt jetzt bereits um Mitternacht. Und diese Zeit gehört doch noch eher zum Abend als zur Nacht. Im Sommer wird es erst nach 22 Uhr dunkel. Und schon nur etwa zwei Stunden später werden die das urbane Leben genießenden Karlsruher mobilitätseingeschränkt, sie geraten in die Fahrplan-Ausdünnungsphase. Nicht aufgepasst, und schon heißt es, eine ganze Stunde warten.
Viele hatten eigentlich gedacht, die Nachtlinie deckt nur die Zeit zwischen den bisher letzten Verbindungen bis zur ersten Bahn morgens ab, aber nein, alles andere wird erheblich zurückgefahren.
Fahrplanausdünnung frühmorgens
Auch in den ganz frühen Stunden wurde der Fahrplan ausgedünnt. Das ist der Preis der Änderung, den zum Beispiel Pendler zu zahlen haben, denen die Möglichkeit genommen wird, ihre Arbeitsstelle zur Frühschicht mit Bahn oder Bus zu erreichen.
Bus statt Bahn
Und während wir Karlsruher gewöhnlich stolz darauf sind, auf vielen Wegen die gegenüber einem Bus viel komfortablere Straßenbahn benutzen zu können, werden nun jeden Tag zu nächtlicher Stunde so eine Art Schienenersatzbusse eingesetzt, mit denen das Zuhause in der Waldstadt. Nordweststadt oder Knielingen „angeschaukelt“ wird, zum Teil mit ganz schönen Umwegen.
Neue Haltestellen für die Nachtbusse waren z. B. in der Waldstadt ohne vorherige Ankündigung eingerichtet worden. Erfreulich ist: Beschwerden von Anwohnern, die nicht Nacht für Nacht im Stunden-Rhythmus geweckt werden wollten, hat der KVV ernst genommen und zügig reagiert: die Busstopps wurden verlegt an weniger störende Stellen.
Einige Ortschaften werden abgehängt
Bis auf die S 1 und die S 2 fallen ab Mitternacht die S-Bahnen ins Umland sogar ersatzlos weg. Arme Blankenlocher, Forchheimer, Eggensteiner und Albtalbewohner. Glückliche Grötzinger, Durmersheimer und Pfälzer, die ihren bisherigen Spätzug-Takt behalten, weil sie im DB-Verbund fahren.
Hohenwettersbach konnte früher am Wochenende mit der Linie N3 bis etwa drei Uhr nachts angefahren werden und ist nun völlig von Bus und Bahn abgeschnitten. Lediglich die Sammeltaxis führen auf Wunsch dort hin. Dabei müsse man, so wird kritisiert, mit Wartezeiten von bis zu eineinhalb Stunden rechnen.
Mehrkosten oder Einsparungen?
Das neue 365-Tage-Nachtliniennetz verursacht zusätzliche Kosten, die durch die kritisierten Verschlechterungen kompensiert werden sollen. „Es muss sich rechnen.“ Ein BNN-Leserbriefschreiber vermutet, dass unterm Strich der KVV damit Einsparungen macht: „ Das Ganze scheint mir eine reine Personalkosteneinsparungsaktion zu sein. Denn im Unterschied zum herkömmlichen System, wo für die eineinhalb Stunden nach Mitternacht allein bei den Bahnen etwa 100 Arbeitsstunden anfallen, da auf jeder Linie sechs Fahrer benötigt werden, können die Stunden von 24 bis 6 Uhr mit dem neuen, ausgedünnten System mit etwa der Hälfte bedient werden, weil auf jeder Linie nur noch ein Fahrer arbeitet.“ Wäre es nicht an der Zeit, dass endlich zum Beispiel im Hauptausschuss den Fraktionen die Einsparungen oder Mehrkosten transparent dargestellt werden?
Lichtblick: KVV kündigt Nachbesserungen an
Die Bedenken der städtischen Verkehrsrunde, die auch erst kurz vor der Einführung über die Änderungen informiert worden war, haben sich bewahrheitet, wie die anhaltenden Kritiken aus der Bevölkerung zeigen. Der KVV nimmt inzwischen die heftige Kritik ernst und hat angekündigt, im Laufe des Monats März ein modifiziertes Angebot für das Nachtliniennetz vorzulegen. Wie die genauen Änderungen aussehen werden, wurde noch nicht verraten. Aber vor allem beim ausgedünnten Fahrplan zwischen Mitternacht und halb zwei Uhr und zwischen halb fünf und halb sechs Uhr, wichtig für Pendler, soll nachgebessert werden.
Kommunikation mit Gemeinderat und Bürgervereinen
Wichtig ist jetzt eine kommunikative Vorgehensweise. Das letztes Jahr entwickelte Nachtlinien-Konzept mit seinen weitreichenden Wirkungen wurde ausschließlich in den Amtsstuben entwickelt, in derselben Art wie jede andere normale Fahrplanumstellung auch. Wegen der Bedeutung der aktuellen Umstellung hätte der KVV aber in diesem Fall in einen Dialog eintreten sollen. Er kann dies nun nachholen und mit dem Gemeinderat, der Bürgerschaft - den Bürgervereinen, dem Fahrgastbeirat - darüber sprechen und deren Rat einholen.
So tröste ich mich bei aller geäußerten Kritik mit der Hoffnung, dass in Verständigung mit den Betroffenen noch eine tragfähige Lösung geschaffen werden kann.
Ihr Prof. Dr. Wolfgang Fritz
AKB-Vorsitzender
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