Bericht 43 Korea Präsentation

Liebe Bürgerinnen und Bürger in Karlsruhe,

die 25 Karlsruher Bürgervereine pflegen enge Beziehungen sowohl zu den Bürgerinnen und Bürgern ihres jeweiligen Stadtteils als auch zur Stadtverwaltung und zu den politischen Parteien. Ihre sachverständige Arbeit ist anerkennt. Sie und auch die AKB als Dachorganisation fühlen sich zur weiteren positiven Entwicklung ihrer Stadtteile und der gesamten Fächerstadt verpflichtet. Die in Karlsruhe seit Jahrzehnten praktizierte vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bürgervereinen als Interessenvertretung des Stadtteils und dem Rathaus ist etwas besonderes, das man anderswo so schnell nicht findet. Ein guter Informationsfluss und die Möglichkeit, auch in städtischen Gremien beratend mitzuwirken, kennzeichnen die Karlsruher Situation. Ein Modell auch für andere Städte?

020920091102 Korea Incheon Vortrag Gerardi

Gerardi über die Fächerstadt

Außerhalb der Grenzen unserer Stadt wird die ehrenamtliche Arbeit der Bürgervereine für Karlsruhe mit Interesse verfolgt. Und wir sind bereit, die besondere Karlsruher Situation auch auswärts zu präsentieren. Die Möglichkeit dazu gab es Anfang September auf einer Konferenz für Stadtentwicklung in Südkorea. Eine weitere Möglichkeit nehmen wir Ende Oktober wahr: Die Bürgervereine präsentieren sich auf einem Stand der Offerta, die jährlich in den vier Hallen der Messe Karlsruhe draußen in Rheinstetten stattfindet.

Incheon in Südkorea

Im Frühjahr erhielt die Stadt Karlsruhe eine Einladung zur Teilnahme an der 11. Internationalen Konferenz für nachhaltige Stadtentwicklung in Incheon (Südkorea). „Man habe erfahren, dass Karlsruhe eine demokratische Stadt sei, in der die Stadtentwicklung mit der aktiven Beteiligung der Bürger geplant wird, und dass Karlsruhe einen guten Ruf habe, was seine Dienstleistungen angeht, bei denen das Wohl der Bürger im Vordergrund stehe. Daher lädt man Karlsruhe als eine dieser repräsentativen Städte ein”, hieß es im Schreiben des Kongress-Veranstalters Lokale Agenda 21. Auch Portland (USA), Takamatsu (Japan), Birmingham (Großbritannien) und Bologna (Italien) erhielten ähnliche Einladungen. Ein Vertreter der Stadtverwaltung und ein Vertreter einer Nichtregierungsorganisation (NGO) sollten über die Bürgerbeteiligung bei kommunalen Planungsprozessen vortragen. In ihrer Antwort hatte die Stadt Karlsruhe Herrn Georg Gerardi, Bereichsleiter Stadtbild des Stadtplanungsamts, und mich (als Vertreter für die Karlsruher Bürgervereine) für die Teilnahme vorgeschlagen.

030920091128 Korea Incheon Fahrrad Gerardi Fritz

Gerardi und Fritz vor der Fahrradexkursion durch die "Zukunftsstadt Songdo"

Der Konferenzort, die Hafenstadt Incheon, liegt etwa 30 km westlich von der Hauptstadt Seoul, hat 2,5 Millionen Einwohner und den „besten Flughafen der Welt“ (AETRA Passagierbefragung). Wir beiden Karlsruher freuten uns schon nach der Landung am 1. September über den außerordentlich freundlichen Empfang der Konferenz-Organisatoren und staunten in den folgenden Tagen über das große Interesse der 1000 Kongressteilnehmer an den Vorträgen und den Diskussionen darüber, wie man anderswo kommunale Planungsprozesse zu verbessern versucht. Herr Gerardi trug über den öffentlichen Nahverkehr, das Handlungskonzept „Fahrradfreundliches Karlsruhe“ und die Bürgerbeteiligung bei Planungen vor. Anerkennung fand auch die in meinem Beitrag dargestellte Rolle der Bürgervereine in Karlsruhe und deren Zusammenarbeit mit der Stadt, wie die Diskussion zeigte. Ich glaube, es steckte nicht nur die sprichwörtliche asiatische Tugend der Freundlichkeit, sondern echter Wissensdurst hinter dem gezeigten Interesse, mehr über die sonst in der Welt praktizierten Organisationsformen und Abläufe zu erfahren und daraus Nutzen zu ziehen, z. B. bei dem ehrgeizigen Projekt, am Reißbrett eine ganz neue Stadt mit vielen Wolkenkratzern als Musterstadt zu „designen“. Jetzt befindet sich das koreanische Projekt in der Realisierungsphase.

New Songdo, eine vernetzte Planstadt

Mit dem Fahrrad und unter Führung der Kongress-Organisation erkundeten wir Karlsruher die Großbaustelle für die entstehende Planstadt „New Songdo, die Stadt der Zukunft“. In Incheon entsteht in den nächsten 5 bis 10 Jahren auf 600 Hektar künstlich aufgeschüttetem Land eine neue Stadt für 65.000 Einwohner und für 300.000 Arbeitsplätze. Alles wird miteinander vernetzt sein: Die Daten von Ärzten, Krankenhäusern, Unternehmen, Behörden oder Schulen sollen - eine entsprechende Autorisierung vorausgesetzt - immer und überall zugänglich sein. Per U-Bahn wird Songdo an Seoul angebunden sein, durch viel Grün und Fahrradfreundlichkeit soll die Planstadt auch für ausländische Fachkräfte attraktiv werden. Die Kosten für den Bau der neuen Stadt sind mit immerhin 18 Milliarden Euro veranschlagt. Für uns war es hochinteressant, zu sehen, mit welcher Aufbruchstimmung die Koreaner zu Werke gehen und wie gering der Einfluss von Bedenkenträgern und Erbsenzählern dort zu sein scheint.

Ihr Prof. Dr. Wolfgang Fritz
AKB-Vorsitzender

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