Bericht 51 Engagementatlas

Liebe Bürgerinnen und Bürger in Karlsruhe,

die EU-Kommission hat das Jahr 2011 zum Jahr des Ehrenamts ausgerufen. Wie steht es in Karlsruhe um das bürgerschaftliche Engagement im Vergleich zu anderen Städten und Kreisen in Deutschland bzw. Baden-Württemberg? Herr Matthias Fischer, Vorsitzender des Bürgervereins Knielingen, beschäftigte sich beim Jahresempfang seines Bürgervereins mit dieser Frage und griff dabei zurück auf die hochinteressante Studie des Generali-Konzerns, der durch das bekannte Marktforschungsunternehmen Prognos AG einen Engagementatlas 2009 für Deutschland erstellen ließ. Hierzu wurden nicht einfach Statistiken, Mitgliederzahlen, zusammenaddiert, sondern man hat 44.000 Bürger in Telefoninterviews 10 Fragen zum Umfang ihres bürgerschaftlichen Engagements. Diese einzigartig hohe Zahl an Interviews erlaubt es, nicht nur bevölkerungsrepräsentative Aussagen für die gesamte Bundesrepublik zu treffen, sondern regional differenzierte Aussagen zu treffen und in einem Atlas darzustellen.

Generali Engagementatlas BW grün Kopie-Klein

In Deutschland engagiert sich jeder Dritte

In jedem der 439 Landkreise und kreisfreien Städte wurden per Zufallsstichprobe mindestens 95 Personen ab 16 Jahre befragt. Ergebnis: Bundesweit engagieren sich 34 % aller Befragten in den Bereichen Sport, Jung und Alt, Kirche, Gesundheit, Kultur, Politik und Interessensvertretung, Umwelt- und Tierschutz. Die, die sich engagieren, bringen durchschnittlich monatlich 16,2 Stunden für ihre „freiwillig geleistete Arbeit“ auf.

Rang 1 für Baden-Württemberg

Die Regionen mit einem sehr hohen bürgerschaftliches Engagement findet man vor allem im Süden Deutschlands und in ländlichen Räumen, während Großstadtbewohner zurückhaltender sind. Baden-Württemberg mit einem Engagementanteil von 49,8 % liegt bundesweit auf dem ersten Rang.

Karlsruhe unterdurchschnittlich
(Achtung, siehe links die Anmerkungen des Aktivbüros)

Der Landkreis Rastatt liegt in der Spitzengruppe mit einem bürgerschaftlichen Engagement von über 50 %, der Landkreis Karlsruhe auch noch überdurchschnittlich zwischen 40 und 50 %, und die Stadt Karlsruhe selbst findet man – höchst erstaunlich – in der letzten Gruppe mit einem bürgerschaftlichem Engagement von unter 20 %. Die Karlsruher und Karlsruherinnen, die ehrenamtliche Arbeit leisten, bringen zudem dafür monatlich nur 11 Stunden auf und liegen damit unter dem Wert aller anderen Städte (auch Konstanz) in unserem Bundesland.

Auch wer die Zuverlässigkeit der Ergebnisse anzweifelt – immerhin wurden ja nur Zufallsstichproben und keine „repräsentativen“ Stichproben gezogen – den sollte das erschreckende Befragungsresultat dennoch nachdenklich stimmen.

Das Aktivbüro der Stadt Karlsruhe weist -wohl zu Recht- im Juli 2011 darauf hin, dass das Prognos-Ergebnis für Karlsruhe auf einer nicht repräsentativen Befragung beruht.

Die letzte Karlsruher Bürgerbefragung, die das Amt für Stadtentwicklung regelmäßig durchführt, ergab im Jahr 2008 eine Engagementquote von 28 %.

Es folgt der Text des Aktivbüros:

... gesehen, dass auf der Internetseite der AKB über den Engagementatlas der Fa. Generali berichtet wird, u. a., dass die Bürgerinnen und Bürger in Karlsruhe unterdurchschnittlich engagiert seien.

Wir, andere Fachstellen für bürgerschaftliches Engagement im  Land, darunter Heidelberg, Mannheim und der Enzkreis, und die Stabstelle Bürgerengagement des Landes Baden-Württemberg hatten uns mit der Fa. Prognos, die im Auftrag der Generali tätig war, auseinandergesetzt. Mehrere Kommunen waren mit deren Darstellung nicht einverstanden.

Es hatte sich herausgestellt, dass Prognos in Karlsruhe nur 95 Personen befragt hatte. Aus dieser sehr kleinen Stichprobe wurde auf 280.000 Einwohner hochgerechnet. Und auch in den Städten Heidelberg mit 145.300 Einwohner und Mannheim mit 302.000 Einwohnern wurden jeweils nur 95 Personen ab 16 Jahren befragt.

Die Befragung des Amts für Stadtentwicklung im Jahr 2008 ergab eine Engagementquote von 28 % der über 18-Jährigen.

Die Fa. Prognos hat  bezüglich des bürgerschaftlichen Engagements eine sehr enge Begriffsdefinition  zu Grunde gelegt. Erfasst wurden nur solche Engagements, die für Dritte erbracht wurden. Die Pflege von Familienangehörigen oder die reine Mitgliedschaft in einem Sportverein stellt so gesehen kein erfasstes Engagement dar.

Die Untersuchung basiert auf einer disproportionalen Stichprobenziehung nach dem ADM Mastersample Verfahren, in deren Rahmen 44.000 Telefoninterviews à fünf Minuten mit Personen ab 16 durchgeführt wurden.

Die Forscher befragten mindestens 95 Personen pro Landkreis, wobei die Zahl bei größeren Landkreisen entsprechend höher war und bei Stadtstaaten mindestens 500 Personen betrug. Statistisch genauere Ergebnisse liegen allerdings nicht für die einzelnen Landkreise (301) und kreisfreie Städte (112), sondern lediglich für die größeren Raumordnungsregionen (97) vor, da eine noch detailliertere Erhebung den Finanzrahmen der Studie gesprengt hätte. Die Prognos AG räumt eine statistische Ungenauigkeit von +/- 9% ein.

Rosemarie Strobel-Heck
Amt für Stadtentwicklung
- Aktivbüro -

Das „Wie“ der Beteiligung ist wichtig

Die Gründe für ein unterdurchschnittliches Bürgerengagement in Karlsruhe kann man leider nicht benennen. Es ist richtig, dass die Stadt Karlsruhe großen Wert darauf legt, die Bürger mit ins Boot zu nehmen. Aber wird das immer das optimal gemacht? Sehen wir das Beispiel Masterplan an. Da wurden 400 Bürger eingeladen, eher aus ihrer Funktion heraus. In der zweiten Runde waren es noch hundert. Die dort behandelten Themen waren in starkem Maß schon vorgegeben. So beklagen manche der Bürger, sie würden doch nur noch benutzt, damit man hinterher sagen kann: „ihr habt es doch selbst entschieden, ihr wart doch dabei.“

Es gibt so viele Ideen, die in den Stadtteilen vorherrschen. Sie aufzunehmen, abzuwägen und zu verbinden ist die Aufgabe der Politik, der Verwaltung und auch der Bürgervereine und anderer Gruppen. Wird dies von den Entscheidungsträgern und Institutionen vorangetrieben, dann sind vermutlich die Bürger auch eher bereit, stärker als bisher aktiv mitzuarbeiten.

Herzliche Grüße

Ihr Prof. Dr. Wolfgang Fritz

AKB-Vorsitzender

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Hier können Sie im Internet den Engagementatlas 2009 abrufen:
http://zukunftsfonds.generali-deutschland.de