Bericht 56 Lärm Güterwagen

Liebe Bürgerinnen und Bürger in Karlsruhe!

Die Rheintalbahn ist die Eisenbahnhauptstrecke für den Personen- und Güterverkehr von Mannheim nach Basel. Südlich vom Karlsruher Hauptbahnhof spaltet sie sich auf in die Strecken über Durmersheim bzw. über Malsch nach Rastatt. Sie zählt heute zu den meistbefahrenen Bahnstrecken Deutschlands, unter anderem wegen des länderüberschreitenden Verkehrs in die Schweiz und nach Frankreich auf dieser Strecke. Innerhalb Karlsruhes erleiden über 2500 Betroffene eine Nachtbelastung von über 60 dB(A). Würde wie gefordert der relativ hohe Schwellen- bzw. Auslösewert nachts auf 55 Dezibel abgesenkt, sind sogar 13500 Bürger betroffen.

Bahnstrecken Karlsruhe Malsch Durmersheim-ppc

Lärmschutzwände und Schallschutzfenster an „hot spots“

Dort, wo vielen eine zu hohe Lärmbelastung zugemutet wird (hot spots), versucht die Bahn die Lärmausbreitung zu verringern. Lärmschutzwände wurden in Hagsfeld im Bereich Geroldsäcker, An der Bahn und Reitschulschlag, in Durlach im Bereich Pforzheimer Straße, Hauptbahnstraße und Dornwaldsiedlung und in Weiherfeld im Bereich Donaustraße errichtet. Weitere Maßnahmen hat die Stadt vorgeschlagen: Lärmschutzwand am Hochgleis in Weiherfeld-Dammerstock, in der Südstadt in Beiertheim-Bulach, Verlängerung der Abschirmung in Durlach und Förderung von Schallschutzfenstern in verschiedenen Stadtbereichen. Diese Dämmmaßnahmen bringen typischerweise eine Reduzierung der Belastung um 2 bis 4 dB(A), ist also gerade so spürbar.

Besser: Lärmbekämpfung an Bremsen und Schienen

Grundsätzlich sind Maßnahmen am Entstehungsort, nämlich an der Lärmquelle, viel besser geeignet. Vor allem, sie wirken an der gesamten Strecke. Die Bundesregierung hat im Nationalen Verkehrslärmschutzpaket II die Absicht verankert, den Schienenverkehrslärm gegenüber dem Niveau 2009 bis zum Jahre 2020 um 10 dB(A) zu senken und damit praktisch zu halbieren. Eine Reihe von Maßnahmen an Gleisen und an Bestands-Güterwagen bis hin zu lärmabhängigen Trassenpreisen (wie in der Schweiz eingeführt) soll zur Verwirklichung des Zieles beitragen.

Eine Halbierung des Lärms würde nach Angaben des Bundesumweltamts jährliche Ausgaben von 3,4 Milliarden Euro vermeiden, wegen eingesparter Gesundheitskosten zum Beispiel. Eine Modernisierung des Rollguts wäre volkswirtschaftlich sinnvoll.

Güterwagen 111030 DSCN1110 201110301334 Fächerblick-Klein

Uralte Güterwagen mit Grauguss-Bremsen

Alte Güterwagen sind das Problem, deren Bremstechnik seit ewigen Zeiten unverändert. Hauptübeltäter beim Lärmen sind die Bremsklötze aus Grauguss. Sie werden beim Bremsen auf die Laufflächen der Räder gepresst und verriffeln diese dabei, machen sie unrund. Infolge von Riffeln und Unebenheiten entstehen dann beim ganz normalen Abrollen der verriffelten Räder die lauten Schallschwingungen.

Es gibt sie längst, die „Flüster-Bremssohlen“ aus Verbundstoffen, die eine 5-Dezibel-Absenkung bringen soll. Man baut heute emissionsarme Wagen, die mit neuen K- oder LL-Sohlen (K-Sohlen = Komposit-Bremssohlen und LL-Sohlen = Low-Low-Bremssohlen) ausgerüstet sind. 5000 Euro sind die Umrüstkosten für einen alten Güterwaggon. In Deutschland fahren etwa 282.000 Güterwagen, davon 135.000 deutsche, die der DB oder privaten Betreibern gehören. Bis zu 40 Jahre alt sind die Waggons, die Technik ist primitiv und laut.

Lärmabhängige Trassengebühren

Die längst fällige Einführung lärmabhängiger Trassengebühren könnte die Betreiber dazu bringen, für Lärmschutz zu investieren. Zuständig dafür, dass endlich etwas passiert, ist der Bund, der gleichzeitig Hauptaktionär der DB-AG ist. Die Mitglieder des Bundestags sind gefordert, Druck auf das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung auszuüben.

Mehrverkehr frisst die Entlastung wieder teilweise auf

Der Güterverkehr wird zahlenmäßig ausgebaut, es kommen mehr und schwerere Züge. Neue elektronische Steuerungen werden installiert, sie werden die Zugdichte weiter erhöhen. So entsteht scheibchenweise eine komplett neue Bahnstrecke, ohne die strengen Lärmschutzauflagen, die bei einem grundlegenden Ausbau greifen würden, die Menschen schützt.

Die Karlsruher Firma PTV hat für die Landesregierung eine „Prognose der Fahrgastzahlen im Schienenpersonennahverkehr und Güterzugbelastungen bis 2025“ erstellt und kommt zu dem Schluss, dass auf der Rheintalstrecke Mannheim-Karlsruhe-Basel bis zum Jahr 2025 etwa mit einer Verdoppelung der Zahl der Güterzüge zu rechnen ist. Das bedeutet eine Erhöhung der Lärmbelastung um 3 Dezibel, frisst also die beabsichtigten Verbesserungen zum Teil wieder auf.

Wenn auch die Einstellung der Bevölkerung zur Mobilität und zur Schiene grundsätzlich positiv ist, so müsste dennoch die Politik (Berlin) dafür sorgen, dass die dem Stand der Technik entsprechenden und volkswirtschaftlich sinnvollen  Lärmschutzmaßnahmen zügig durchgesetzt werden.

Ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr wünsche ich Ihnen

Ihr Prof. Dr. Wolfgang Fritz
AKB-Vorsitzender

Zurück zu: Berichte
Zum Beginn der Seite